Die Chefarzt-Visite findet heute bereits um kurz nach 10 Uhr statt, was recht früh ist. Dieses Mal hat der Professor nicht ganz so viele Menschen im Schlepptau. Auch ist er heute nicht zum Plaudern aufgelegt, so dass König und Gefolge nach wenigen Sekunden von Dannen ziehen. Nur kurz merke ich meine geschwollenen Augen und Tränensäcke an. Das kommt wohl von den Medikamenten 🤷🏽♀️.
Die Ärzte hatten bereits bestätigt, dass die Leukozyten bei 1 seien und ich somit kurzzeitig abgeleint werden kann. Die Pflegerin bestätigt dies feierlich mit einem kleinen Plakat als sie zum Pflasterwechsel kommt und mich anschließend von den Schläuchen losmacht.

Abgeleint gehe ich zunächst den Flur auf und ab.

Auf dem Flur treffe ich auf einen alten Bekannten von Station C5A.

Im Treppenhaus des Notausgangs steht noch immer der braune verrostete Stuhl.

Dann begebe ich mich durch die Schläusentür in den Besucherraum und weiter auf den Balkon.

Auf dem Balkon darf ich endlich die Maske abziehen und frische Luft atmen. Welch ein Segen 🙌🏾!!





Um mich sportlich zu betätigen, gehe ich noch ins Treppenhaus. Allerdings darf ich nur zwischen dem 6. und dem 7. Stock pendeln.


Aus dem Fenster sehe ich eines der Zimmer, das ich auf Station C5A bewohnt habe und den Ausblick in den Innenhof.


Auf dem Rückweg gehe ich noch einmal auf den Balkon und gönne mir ein Eis aus dem Patientenkühlschrank.

Zum Mittag gibt es heute „Frikadelle mit Zwiebelsauce, dazu Möhren und Kartoffelgemüse“. Ich hatte die Essensfrau gebeten die Komponenten separat auf den Teller zu legen, da ich nicht so gerne Fleisch esse. Das hat semi gut geklappt 🙈.

Vor dem Essen ruft die Ernährungsberaterin an. Wir sprechen gemeinsam einen alternativen Essensplan ab bzw. passen wir den alten, der noch im System gespeichert ist, an. Ab morgen Abend soll es mit der „Wunschkost“ losgehen.
Zudem kommt heute der Psychoonkologe vorbei. Wir unterhalten uns ein wenig. Da ich keine weiteren Anliegen habe, macht auch er sich schließlich wieder davon.
Nachmittags bringt ein Freund Leckerein vorbei und es kommt Post 😊.


Ich werde auch noch einmal abgestöpselt und kann erneut auf den Balkon des Besucherraumes 😊.




Jetzt folgt ein Bild von heute Morgen 😅.

Während ich den Flur auf und ab wandere, geht die Essensfrau herum und fragt die Patienten, was sie zum Abendessen haben möchten. Einen Patienten, der kein Deutsch spricht, fragt sie: „Was Sie möchten lunch?“ Ein anderer Patient, der sich ebenfalls frei bewegen kann, fragt die Pflegerin nach Bestell-Flyern. Er hat wohl vor sich Essen zu bestellen. Ich wusste gar nicht, dass es hier sogar Flyer auf Station gibt.
Um kurz vor 21 Uhr kommen endlich die Thrombozyten. Da die Blutbank des UKEs keine mehr hatte, mussten extern welche aufgetrieben werden. Der griechische Arzt erzählt mir, dass die Not an Blutkonserven & Co in Griechenland noch größer ist. Wenn in Griechenland eine planmäßige OP stattfindet, müssen sich die Patienten im Vorfeld selbst ihre Blutkonserven und Thrombozyten organisieren 😳. Holy shit!
