(Sa. 23.7.)

Das Blutdruckmessgerät muckt heute wieder rum. Selbst ein Neustart des Gerätes bringt nichts. Da die Pflegerin auf der gesamten Station kein manuelles Messgerät findet, kommt sie schließlich mit einem neuen Schlauch zurück. Ein vorheriger Austausch der Manschette hatte nichts gebracht. Nach dem Austausch des Schlauches funzt es schließlich wieder. Endlich werden die Venen nicht mehr so derbe aufgepumpt 🙏🏾.

Da die latente Übelkeit noch immer zu spüren ist, lasse ich mir eine Tablette geben. Kaum habe ich Tablette und Magenschutz heruntergeschluckt, kommt auch schon eines der Spucksäckerl zum Einsatz. Es ist aber nur das Wasser, das ich zuvor getrunken hatte.

Zur Visite kommt eine Ärztin, die mit Akzent spricht und der ich bisher noch nicht begegnet bin. Mind. 60 % der Ärztinnen und Ärzte hier auf Station haben einen migrationsgeschichtlichen Hintergrund. Bei den Reinigungskräften sind es 90 % und bei den Menschen, die für die Essensausgabe zuständig sind ca. 40 %. Wenn jemand „Ausländer raus“ brüllt, dann muss dieser Mensch damit rechnen im Krankenhaus nicht versorgt werden zu können! Die Ärztin nimmt sich Zeit und ist überrascht über das frühe Rezidiv (Rückfall) nach der ersten Transplantation. Sie vermutet, dass der Spender evtl. zu gut gepasst und dadurch die noch minimal vorhandenen Krebszellen nicht erkannt hat. Who knows 🤷🏽‍♀️!? Dieses Mal habe ich jedenfalls eine gänzlich andere Therapie erhalten.

Bevor ich zu meinem vormittaglichen Treppenstufenstraining aufbreche, erkundige ich mich noch einmal nach dem Wert der Leukozyten. Dieser liegt heute bei 4,0. Da scheint die gestrige Spritze etwas gebracht zu haben.

Heute lese ich in der aktuellen Ausgabe der DLH-Zeitschrift (Deutsche Leukämie- & Lymphom-Hilfe) einen Artikel mit der Überschrift „Keimarme Ernährung — mehr Schaden als Nutzen“. So sehe ich das auch, wenn der geschwächte Körper keine anständigen Nährstoffe bekommt und damit ist nicht das Eibrot von der Tanke oder das Mettbrötchen vom Kiosk gemeint.

https://www.leukaemie-hilfe.de/fileadmin/user_upload/dlh-info-zeitungen/DLH-INFO-75-FINAL.pdf

Ich habe dem Professor und der leitenden Oberärztin den Artikel mal weitergelitten. Der Professor ist allerdings vom 21.7. bis 14.8. im Urlaub, wie mir eine automatische Antwort verrät.

Trotz Urlaubes antwortet der Professor:

<<Liebe Frau Becker ier Artilkel in der DLH Zeitschrift ist bekannt und etwas hinsichtlich „Schaden“ übertrieben , aber in der Tat sind wir derzeit dabei das Ernährungskonzept zu überarbeiten Beste Grüße NK>>

Zum Abendbrot gibt es laut Wunschkostplan „2 Dinkelbrot (bitte auf Station toasten)“. Das mit dem toasten scheint der Essens-Dude übersehen zu haben.

Da ich mich „frei bewegen“ kann, gehe ich zur Küche und bitte den Dude das Brot zu toasten. Während ich auf das Brot warte, treffe ich die Ärztin von heute Morgen. Angeblich hätte ich einen guten Corona-Antikörperschutz, teilt sie mir mit. Normalerweise dauert ihre Schicht von 9 Uhr bis 21 Uhr. Heute hat sie aufgrund eines Notfalls bereits um 6:30 Uhr angefangen. Das wären dann 14 1/2 Stunden 😳!!

Selbst das getoastete Brot sieht irgendwie aus als wäre es schon mehrfach eingefroren und wieder aufgetaut worden.