(Sa. 2.7.) Der Tag der ersten Chemo-Gabe, fehlendes Blut und die verwirrte Omi von nebenan

Heute Morgen nimmt der Nachtdienst bereits um 5 Uhr Blut ab. Vermutlich um den Frühdienst bei der Arbeit zu entlasten und rechtzeitig die Blutwerte zu haben. Zudem hängt mir die Pflegerin noch ein Mittelchen gegen Pilzerkrankungen an.

Um 5 Uhr wird bereits Blut abgenommen.
Das Mittelchen gegen Pilz.

Um neun kommt eine Pflegerin vorbei und bereitet alles für die Chemotherapie vor. Damit ich mich frei im Raum bewegen und zwischendurch die Keramikausstellung betreten kann, bekomme ich wieder sehr lange Schläuche angehängt. Die „Tentakeln“, die sie sonst nutzen, sind leider gerade nicht lieferbar. Die Pflegerin hofft, dass es diesen Monat noch etwas wird. So lange improvisieren sie auf Station.

Die erste Flüssigkeit zur Vorbereitung der Chemo läuft.
Die Kabellage

Ein Freund kommt zum Gebäude O24 und bringt frische Brötchen von der kleinen Konditorei, Saftschorlen und Chips für meine zukünftigen Fernseabende vorbei 🤩.

🥐 😋

Auf dem Weg in die Keramikausstellung fängt der Chemo-Turm an zu piepen. Vermutlich haben sich die Kabel verdreht. Leider kann nur das Pflegepersonal das Geräusch abstellen, das sicherlich noch häufiger auftreten wird.

„Alarm – Druck zu hoch“

Um kurz nach 11 Uhr ist der Therapieplan da. Von der Chemo fehlt noch jede Spur. Vermutlich hat die diensthabende Ärztin/der Arzt viel zu tun. Mal sehen, wann sie das Beutelchen bringen.

Der Therapieplan

12:20 Uhr – der erste, eher harmlose, Chemo-Beutel hängt. Eigentlich bräuchte ich auch noch Blutkonserven, da mein Hämoglobinwert so niedrig ist. Deshalb bin ich vermutlich auch so müde heute 😴. Leider gibt es momentan jedoch Probleme mit der IT der Blutbank. Die Ärztin kündigt an, dass sie sich für mich einsetzen und mir Blut besorgen wird. Ich bin gespannt.

Der erste Chemo-Beutel

Zum Middach gibt‘s heute „Grillgemüse in Tomatensauce mit Paprika – Langkornreis.“ Noch packt mein Bauch Paprika, vor allem die Schale. Sobald der Darm wieder zerschossen ist, werde ich auf derartiges Gemüse verzichten. Während des Essens piepst wieder der Chemo-Turm. Ich hatte mich versehentlich mit dem Stuhl auf den Schlauch gesetzt 🙈.

Grillgemüse

Den Nachmittag über döse ich so vor mich hin. Ohne Blut bin ich ziemlich schlapp 😴. Jetzt ist es 17:35 Uhr. Mal sehen, ob da noch etwas kommt…

Nebenan ruft eine ältere Dame die letzten Tage schon immer „haaaallooo!“. Sie ist wohl orientierungslos und weiß nicht, wo sie ist. Immerhin schreit sie nicht um Hilfe. Vorhin rief sie auch schon: „Marcooo gib mal mein Handy!“ woraufhin der Pfleger antwortete: „Marco ist gerade im Garten.“ Eben rief die Frau dann noch „Wooolfgang?“ Der Pfleger antwortete: „Wolfgang ist inna Kneipe.“ Im Altenheim muss es mitunter ähnlich zugehen 🙈. Erfreulicherweise hört man bei (heimlich) geöffnetem Fenster auch die Möwen schreien. Das hat dann etwas von Elbe oder Urlaub ☀️.

Eine der Möwen

Ich fühle mich wie ein Junkie auf Entzug und fiebere dem Blut entgegen. Um 20:45 Uhr kommt endlich ein junger Arzt und hängt mir die sehnsüchtig erwarteten Blutkonserven an. Irgendwie kommt mir der Typ bekannt vor. Als ich ihm erzähle, dass seine Frau auch Ärztin ist, stellt sich schnell heraus, dass ich ihn verwechselt habe. Er hat gar keine Frau. Damit das Blut nicht die ganze Nacht durch die langen Schläuche läuft, entscheidet sich der Arzt für den kürzeren Weg. Falls ich zwischendurch das water closet aufsuchen möchte, muss ich vorher klingeln. Dann bringt mir die Pflege einen mobilen Infusionsständer. Bevor der Arzt geht, fragt er noch, ob ich „das Gras bisher gut vertragen habe?“

Die Tür geht endlich auf …
Die Konserven sind endlich da 🙌🏾🙏🏾

Die Pflegerin, die zwischendurch die Blutkonserve wechselt, teilt mir mit, dass die nächsten Chemos 12 Stunden dauern. Dabei bin ich permanent am Monitor. Das kann ja etwas werden 🙈. Ich denke, dass ich die nächsten Wochen in eine Art Sommerschlaf versinken werde … 💤